· 7 Min. Lesezeit · von Salimar Boat Tour
Isola Comacina, die einzige Insel im Comer See
Der Comer See hat genau eine Insel, und sie liegt in der Bucht, die die Einheimischen Zoca de l'oli nennen, zwischen Argegno und der Halbinsel Lavedo. Sie heisst Isola Comacina, ist etwa 600 Meter lang und 200 breit und nur ueber das Wasser erreichbar. Vom Boot aus wirkt sie wie ein gruener Fels: tatsaechlich hat sie die dramatischste Geschichte des ganzen Sees.
Von der byzantinischen Festung zur Stadt mit neun Kirchen
Seit roemischer Zeit bewohnt, wurde sie im spaeten 6. Jahrhundert zur byzantinischen Festung, die den Langobarden etwa zwanzig Jahre standhielt. Der Ueberlieferung nach fuellte sie sich damals mit Haeusern, Kirchen und Befestigungen und erhielt den Namen Cristopolis. Sie wurde eines der wichtigsten religioesen Zentren der Dioezese Como, mit bis zu neun Kirchen.
1169: das Jahr der Zerstoerung
Im Zehnjaehrigen Krieg (1118-1127) stellte sich die Insel auf die Seite Mailands gegen Como. Como verlor diesen Krieg, kam aber mit Unterstuetzung Kaiser Friedrich Barbarossas zurueck. 1169 zerstoerten Comos Truppen gemeinsam mit Barbarossa und den Tre Pievi die Insel: Kloster, Basilika und alle Kirchen. Die Ueberlebenden flohen nach Varenna, das sie Insula Nova nannten.
1175 sprach Bischof Vidulfo von Como den bis heute erzaehlten Fluch: die Glocken werden nie mehr laeuten, kein Stein wird auf den anderen gelegt, niemand wird hier Reisende beherbergen, bei Strafe eines gewaltsamen Todes.
Wie sie belgisch und dann italienisch wurde
1919 vermachte der letzte Eigentuemer, Augusto Giuseppe Caprani aus Sala Comacina, die Insel Koenig Albert I. von Belgien, aus Dank fuer die belgische Unterstuetzung im Ersten Weltkrieg. 1920 schenkte Albert I. sie dem italienischen Staat, der sie der Brera-Akademie in Mailand anvertraute, um ein Kuenstlerdorf zu schaffen.
Was man heute sieht
- Die Ruinen der Basilika Sant'Eufemia mit Krypta: die Reste stammen von 1031
- Die Ruinen von SS. Faustino e Giovita, San Pietro in Castello und Santa Maria col Portico
- Ein Baptisterium mit zwei Apsiden aus dem 5. Jahrhundert mit Fischmosaik
- Die Casa Torre, mittelalterlicher Wohn- und Wehrturm
- Die Kirche San Giovanni Battista aus dem 17. Jahrhundert: unter ihrem Boden liegt eine roemische Marmorkolonnade
- Die drei rationalistischen Kuenstlerhaeuser von Pietro Lingeri, 1939-1940 erbaut, 2009-2010 restauriert
Oeffnungszeiten, Tickets und Anfahrt
Geoeffnet von Mai bis Ende Oktober, taeglich 10 bis 18 Uhr. Noetig ist ein Ticket fuer den archaeologischen Naturpark, rund 6 Euro fuer Erwachsene, erhaeltlich im Antiquarium in Ossuccio oder am Automaten auf der Insel, der nur Karten annimmt.
Erreichbar nur ueber das Wasser: die Boote der Navigazione Lago di Como legen direkt an, und ein Taxiboot faehrt von Ossuccio etwa alle 30 Minuten, fuer rund 7-8 Euro hin und zurueck. Fuehrungen nach Voranmeldung, 60 bis 140 Euro pro Gruppe.
Wichtig vor dem Besuch: laut offizieller Seite sind Restaurant, Bar und Toiletten auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wasser mitnehmen.
Die Locanda und das Feuerritual
Ab 1947 gab es auf der Insel die Locanda dell'Isola Comacina, gegruendet von Lino Nessi. Seine beiden Partner starben tragisch, was das Gerede vom Fluch neu entfachte. Seither endet jedes Essen mit dem Feuerritual: gebrannter Brandy mit Zucker und Kaffee. Die Locanda schloss 2019-2020 und bleibt trotz einer Petition geschlossen.
Wie man sie vom See sieht
Die Insel liegt auf der Route nach Bellagio und Lenno: man faehrt auf den Dreistundentouren und auf laengeren Privatfahrten daran vorbei.











































