· 7 Min. Lesezeit · von Salimar Boat Tour
Villa Pliniana, die Villa von 1573, die man nur per Boot erreicht
Faehrt man von Como Richtung Torno, oeffnet sich nach wenigen Minuten eine einsame, von Wald umschlossene Bucht mit einem Wasserfall neben einem Palazzo des 16. Jahrhunderts direkt am Wasser. Das ist die Villa Pliniana, ein Nationaldenkmal, und keine richtige Strasse fuehrt dorthin: man kommt ueber den See, mit dem Hubschrauber oder zu Fuss ueber den Pfad, der an der Kirche San Giovanni in Torno beginnt.
Der Graf, der einen Herzog toetete
Die Villa wurde 1573 begonnen und 1577 vollendet, im Auftrag von Graf Giovanni Anguissola, Gouverneur von Como, an der Stelle alter Wollmuehlen. 1547 hatte Anguissola die Verschwoerung angefuehrt, die Pier Luigi Farnese, Herzog von Parma und Piacenza, ermordete. Der Entwurf wird Giovanni Antonio Piotti da Vacallo zugeschrieben; andere Quellen nennen Pellegrino Tibaldi oder Galeazzo Alessi. Der Graf starb 1578 vor der Fertigstellung; sein Erbe Giulio vollendete den Bau.
Es ist keine Lustvilla, sondern eine Villa-Festung, eigens gebaut, um die namengebende Quelle im eigenen Innenhof einzuschliessen.
Die Quelle, die kommt und geht: von Plinius zu Leonardo
Die "Fonte Pliniana" ist eine intermittierende Karstquelle: der Fluss steigt und faellt mehrmals taeglich. Plinius der Juengere beschrieb sie in einem Brief an seinen Freund Licinius Sura und berichtete von dreimaligem Steigen und Fallen am Tag; auch Plinius der Aeltere erwaehnt sie in der Naturalis Historia.
Leonardo da Vinci sah sie wenige Jahre vor dem Bau der Villa und notierte sie zweimal: im Codex Leicester, wo er von der "Fonte Priniana" schreibt, die alle sechs Stunden steigt und faellt, und im Codex Atlanticus.
Wer hier war
Nach den Anguissola ging die Villa 1590 an die Visconti Borromeo, 1676 an die Canarisi aus Torno, die Fresken und eine Kapelle hinzufuegten. 1840 erwarb sie Fuerst Emilio Barbiano di Belgiojoso d'Este; zwischen 1843 und 1851 war sie Schauplatz seiner skandaloesen Affaere mit Anne-Marie Berthier, Fuerstin von Wagram.
Die Gaesteliste ist beeindruckend: Napoleon, der der Ueberlieferung nach 1797 an einen Kauf dachte, die Kaiser Joseph II. und Franz I., Koenigin Margherita, Alessandro Volta, Franz Liszt, Rossini — der hier in drei Tagen Teile des Tancredi komponiert haben soll —, Bellini, Puccini, Stendhal, Shelley, Byron, Foscolo, Manzoni und Antonio Fogazzaro, der hier seinen Roman Malombra ansiedelte.
Wie sie aufgebaut ist
- Ein Palazzo des 16. Jahrhunderts auf rund sieben Hektar Ufergrund
- Seefassade mit vier Fensterreihen und zentraler Loggia mit drei Boegen
- Im Hof eine Neptunstatue mit Dreizack, wo die Quelle austritt
- Eine grosse Wendeltreppe aus Sandstein unter einem gemalten Sternenhimmel
- Der Wasserfall im Tal daneben, etwa 80 Meter hoch
- Nebengebaeude: Canarisi-Kapelle, Casa Shelley, Casa dei Plini, Rifugio Da Vinci und Casa del The
Die Innenraeume wurden bei der Restaurierung 2013-2015 teilweise von Patricia Urquiola neu gestaltet, im Auftrag der Familie Ottolenghi, die das Anwesen 1983 nach langem Verfall gekauft hatte.
Kann man sie besichtigen?
Sie ist nicht oeffentlich zugaenglich: sie wird als Ganzes vermietet, gefuehrt von Sereno Hotels, mit 17 Schlafzimmern, privatem Anleger, Hubschrauberlandeplatz und Spa. Kursierende Zahlen nennen ein Minimum von rund 180.000 Euro fuer drei Naechte. Vom See aus sieht man sie hervorragend.
Geister und Legenden
Die Villa gilt als von einem Geist bewohnt, eine Legende um den Moerder Anguissola und seinen eigenen gewaltsamen Tod. Die schoenere Geschichte ist die der Liebenden: um Mitternacht huellten sich Belgiojoso und Berthier nackt in ein Laken und sprangen von der Loggia in den See. Vom anderen Ufer sahen die Doerfler jede Nacht eine weisse Gestalt ins Wasser stuerzen und hielten sie fuer ein Gespenst.










































